©Foto City Skipper / Fotograf Lothar Scheschonka

Mein Name ist Claudia Bitti und ich wurde 1964 in Eckernförder geboren. Kurz nach meiner Geburt sind meine Eltern ins Rheinland gezogen. Als ich 6 Jahre alt war ging es nach Lüneburg, wo ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin. Nach dem Abitur wollte ich unbedingt raus und bin daher nach Stuttgart gezogen, um dort eine Ausbildung als Restaurantfachfrau in einem 4-Sterne-Hotel zu absolvieren.

Mein Vater verstarb, als ich 9 Jahre alt war. Ich habe daher schon früh meine Mutter unterstützt. Und da ich aus einer Gastronomenfamilie komme, wusste ich schon sehr früh, dass ich auch in dieser Branche arbeiten möchte.
In Stuttgart habe ich meinen italienischen Mann kennengelernt. Ich wollte eigentlich immer nach Amerika, doch so ist es Italien geworden. Ich habe zwei Monate lang Amerika bereist und bin dann mit meinem Mann nach Florenz gezogen, wo wir zwei Jahre lebten. Ich habe die Sprache gelernt und eine Schule für Kongressorganisation besucht.

Zurück in Deutschland hat uns der Weg zunächst nach München geführt und mit dem ersten Kind wieder nach Lüneburg. Heute habe ich drei erwachsene Kinder, bin geschieden und bin für meine neue Liebe nach 27 Jahren Lüneburg nach Bremerhaven gezogen.

 

Mein Motto lautet: Ein „Nein“ habe ich schon – es kann nur noch ein „Ja“ werden!

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Mein Name ist Kerstin, ich bin 1984 in der Lüneburger Heide geboren. Wir sind früh nach Bremerhaven gezogen, hier bin ich auch zur Schule gegangen. Nach dem Abitur habe ich ein freiwilliges, soziales Jahr gemacht und habe meine erste Ausbildung als Physiotherapeutin in Hamburg absolviert. Ich wollte immer in eine Großstadt und Hamburg ist für mich einfach eine wunderschöne Stadt. Am Wochenende konnte ich immer nach Bremerhaven pendeln, so konnte ich mich um mein Pferd kümmern. Neben der Arbeit habe ich immer noch nebenbei gekellnert.
Doch als der Berufsalltag anfing wusste ich, ich möchte mehr machen. So habe ich 2012 noch eine Ausbildung als Erzieherin gemacht. Mittlerweile arbeite ich bei der AWO „Flexible Hilfen“. Dort bin ich Koordinatorin des Familienrats. In meiner Freizeit liebe ich es zu verreisen.

Meine Oma war mein großes Vorbild. Dadurch, dass meine Mama gearbeitet hat, habe ich sehr viel Zeit mit meiner Oma verbracht.
Mein Motto lautet: Einfach mal zu weit gehen und sich dort ein wenig umsehen!

 

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Mein Name ist Florentina, ich bin 30 Jahre alt und ich komme gebürtig aus dem Kosovo. Aufgrund des Kosovo und Serbien Kriegs ist meine Familie nach Deutschland gekommen, da war ich 6 ½ Jahre alt. Damals sind mein Papa, meine hochschwangere Mama, meine beiden Brüder und ich über Monate geflüchtet. Auf der Flucht wurden wir von unserem Vater getrennt. Er musste in Österreich bleiben und wir kamen in ein Mutter-Kind-Heim. Dort wurden wir nach zwei Wochen von meinem Onkel abgeholt und sind nach Bremerhaven gekommen. Auf dem Weg ist am Hauptbahnhof die Fruchtblase meiner Mama geplatzt – so fuhren wir schnell ins Krankhaus und mein dritter Bruder kam zur Welt.
Dann begann unser neues Leben hier in Deutschland, in Bremerhaven. Ich habe die Grundschule besucht und einen Deutschkurs gemacht. Weil mein Deutsch anfangs nicht so gut war, musste ich die zweite Klasse wiederholen. Also lernte ich fleißig weiter. So ging es für mich nach der Grundschule und Orientierungsstufe auf das Gymnasium und habe einen sogenannten „Schnellläufer“ Kurs gemacht. So konnte ich von dem ersten Halbjahr der 10ten Klasse in das zweite Halbjahr der 11ten Klasse überspringen. Ich habe mein Abitur absolviert und habe Sozialwissenschaften studiert. Mittlerweile arbeite ich im sozialen Bereich als Sozialarbeiterin für Flucht und Migration.

 

Mein Motto lautet:„Die Kunst ist es einmal mehr aufzustehen, wenn man gefallen ist“

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Mein Name ist Ann-Kristin und ich bin 1989 in Minden geboren. Dort in der Nähe bin ich auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Meine Kindheit dort war total schön. Es wurde z. B. jeder Geburtstag von jeder Tante und jedem Onkel, sowie denen Cousinen und Cousins groß gefeiert (…davon gab es viele).

Für mich war lustigerweise schon seit je her klar, dass ich einmal etwas mit Gestaltung oder Grafik machen möchte. Als wir den ersten Computer zuhause hatten, habe ich dort aus Spaß angefangen Logos in Microsoft Word nachzubauen – heute schlage ich die Hände über den Kopf zusammen wenn das jemand macht.

Nach meinem Schulabschluss habe ich dann eine Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital und Print begonnen. In diesen drei Jahren konnte ich dann richtig in die Tiefen der Grafikprogramme eintauchen und das Handwerk lernen.

2012 habe ich dann durch das Parlamentarische Patenschaftsprogramm des Deutschen Bundestages die Möglichkeit bekommen, für ein Jahr in die USA zu gehen und dort ein College zu besuchen. Für diese Möglichkeit bin ich heute noch total dankbar und weiß es wirklich sehr zu schätzen.

In diesem Jahr konnte ich nicht nur meine fachlichen Kenntnisse im Grafikdesign verbessern, sondern habe dort auch Menschen aus Ländern wie Palästina, Turkmenistan oder Südkorea kennengelernt, die mich sehr geprägt haben.

Vor der Zeit am College in den USA hatte ich ein Studium nie auf dem Schirm, aber nun konnte ich auf die neuen Kenntnisse aufbauen und habe mich von dort aus nach Medienstudiengängen mit hohem Praxisbezug in Deutschland erkundigt. So bin ich 2013 in Bremerhaven gelandet um dort „Digitale Medienproduktion“ zu studieren.

 

Meinen Bachelorabschluss habe ich schon lange in der Tasche und bin immer noch hier in Bremerhaven – ganz bewusst und voller Überzeugung. Denn hier kann man Teil der Stadtgestaltung sein. 

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Mein Name ist Christin Janning, ich bin 27 Jahre alt und komme gebürtig aus Bremerhaven.

Ich bin Rettungssanitäterin und Erste Hilfe Ausbilderin. Ich wusste schon als Kind, dass ich Notärztin werden möchte. War dann von der fünften bis zur neunten Klasse im Schulsanitätsdienst auf der Raabe-Schule in Bremerhaven. Nach dem Abitur wollte ich erst Biologie studieren, habe aber keinen Platz bekommen. So habe ich ein freiwilliges soziales Jahr, beim Krankentransport, absolviert. Dort habe ich auch meinen Mann kennengelernt. Danach habe ich eine dreijährige Ausbildung als Rettungssanitäterin gemacht. Ich habe festgestellt, dass ich diesen Job über alles liebe und es viel besser ist, als ein Biologiestudium.
Irgendwann bin ich, aufgrund meiner drei Kinder, aus dem aktiven Rettungsdienst gegangen und bin in Elternzeit gegangen. Nach einiger Zeit fing ich an Erste Hilfe Ausbildungen anzubieten und arbeite mittlerweile hier in Bremerhaven beim Krankentransport.

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Mein Name ist Cynthia, ich bin 44 Jahre alt und habe vier eigene Kinder. Wir sind eine große Patchwork-Familie. Mein Mann hat noch zwei Töchter in die Ehe gebracht. Zwei von unseren gemeinsamen Kindern sind Autisten. Meine Tochter hat ein einmalig in Bremerhaven diagnostiziertes Syndrom. Das Smith-Magenis Syndrom. Zusätzlich ist sie frühkindliche Autistin. Ich gehöre zum Vorstand von Sirius e.V. eine Selbsthilfegruppe, gegründet von Eltern im Jahr 2003. Da bin ich für den Bereich Social Media zuständig. Wir sind untereinander sehr gut vernetzt. Andere aufzuklären, zu unterstützen und füreinander da zu sein liegt mir sehr am Herzen.

 

In meiner Freizeit liebe ich es Kinderkleidung zu nähen. Mein größter Wunsch ist es, dass meine Kinder eigenständig und glücklich leben.

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Mein Name ist Asmari, ich bin 52 Jahre alt und im Irak geboren. Ich bin verheiratet und lebe seit vier Jahren in Deutschland, in Bremerhaven.

Im Laufe meines Lebens habe ich so viel gelernt. Ich war 12 Jahre auf dem Gymnasium, konnte aber anfangs nicht studieren, da meine Familie nicht die Möglichkeit hatte.
So habe ich erst als Schneiderin zu Hause gearbeitet und danach in einer großen Fabrik. Außerdem habe ich auch eine Ausbildung als Frisörin gemacht.
Ich habe es schon immer geliebt zu lesen und mir dadurch neues Wissen anzueignen. Doch mein Wunsch nach der Kunst wurde immer größer und ich wollte meinen Traum erfüllen. In meiner Heimat konnte ich nie so frei sein, wie ich es immer wollte. Tief in meinem Herzen sehnte ich mich nach mehr Freiheit. Ich stellte mir immer die Frage „Was bedeutet Freiheit überhaupt? In einem Land in dem alles verboten ist“.

 

Hier in Deutschland habe ich meinen Mann, meine große Liebe, kennengelernt. Hier widme ich mich der Kunst, der Malerei. In Freiheit, ohne Angst lasse ich meiner Kreativität freien Lauf. 

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Ich heiße Nastasia Kordyla-Balke, bin 39 Jahre alt und komme gebürtig aus Bremerhaven. Ich bin deutsche Sinti und bin als Aktivistin unterwegs zu Antiziganismus und allgemein Rassismus. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen, meine Mama war krank. Während der Schulzeit habe ich auch meine Großeltern gepflegt. Dadurch wurden leider die Noten in der Schule immer schlechter und ich habe meinen Abschluss nicht so geschafft, wie ich es mir gewünscht hatte. Nach einiger Zeit bin ich Mutter geworden und habe mir vorgenommen meinen Realschulabschluss an der Abendschule nachzuholen. Diesen habe ich auch bestanden. Mein Mann hat in der Schweiz gearbeitet, so musste ich Kinder, Haushalt ,… unter einen Hut bekommen. Doch dann dachte ich mir, ich muss noch etwas tun. So habe ich an der Volkshochschule in Langen einen einjährigen Schnellkurs absolviert und habe dann Hauswirtschaft gelernt. Mittlerweile studiere ich Sozialpädagogik an der Hamburger Fernhochschule und arbeite in der Neuen Grundschule Lehe als pädagogische Mitarbeiterin. Die Arbeit mit Kindern, unterschiedlichen Kulturen und mit den Eltern der Kinder erfüllt mich und ich merke, dass es einfach mein absoluter Traumjob ist. Es ist schön zu sehen, dass wir individuell auf jedes Kind eingehen können und die Dankbarkeit zu spüren ist einfach ein super schönes Gefühl. 

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Mein Name ist Sinam Hussein und ich bin in Syrien geboren.

Dort habe ich mein ganzes Leben verbracht, mein Abitur abgeschlossen und wollte unbedingt studieren. Ich habe mich eingeschrieben aber konnte nicht anfangen, weil wir einen Monat später fliehen mussten. Seit 2014 bin ich in Deutschland. Es war anfangs nicht einfach. Wir sind erstmal in die Türkei gegangen, mit der Idee nur zwei Monate da zu bleiben. Wir wollten wieder zurück, aber es war nicht möglich. Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Eltern sehr schnell entschieden haben, dass wir gehen müssen.
Mein Vater hat Politik betrieben und dadurch wurde es für uns noch gefährlicher. Er war Agraringenieur, in der Selbstständigkeit. Meine Mutter war Hausfrau. Sie wollte auf Lehramt studieren, nur war es so, wenn man studierte gehörte man der Partei des Regimes an und das wollte meine Mutter nicht. So blieb sie bei uns zu Hause und kümmert sich um mich und meine 4 Geschwister.

Ich bin mit meiner Schwester allein nach Deutschland gekommen – ohne irgendetwas bei uns zu haben. Wir sind von Stadt zu Stadt gereist. Nun bin ich hier in Bremerhaven und sehr glücklich.
An Deutschland fasziniert mich die „deutsche Pünktlichkeit“ J Ich liebe die Deutsche Sprache und habe gern die Kurse in Dortmund besucht. Meine Lehrerin hat uns die Sprache durch Spiele und Aktivitäten beigebracht – so fiel es mir leichter die Sprache zu lernen. In der Stadt Minden habe ich den C1 Schein gemacht, weil ich unbedingt zur Universität wollte. Anfangs habe ich mich für Medizin beworben, aber leider keinen Platz bekommen. Dann habe ich mich für Medizintechnik in Magdeburg und Bremerhaven beworben. Ich habe mich für Bremerhaven entschieden, weil es am Meer liegt. Ich wusste, da möchte hin und meinen Weg weitergehen.

Meine 5 Schwestern sind meine Bezugspersonen – unsere Beziehungen zueinander sind etwas ganz Besonderes

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Mein Name ist Anke und ich bin 69 Jahre alt. Ich habe 4 Kinder und 6 Enkelkinder.

Mit 16 Jahren beendete ich die Schule und absolvierte eine Ausbildung im Buchhandel – doch ich wusste, dass dies nicht alles gewesen sein kann. So zog ich einige Jahre später mit meinem Verlobten weg. 

Er fing an zu studieren und ich fing an, in einer Buchhandlung zu arbeiten, die sich an Studenten richtete. Das hat mich dazu bewogen ein Studium anzufangen. Also ging ich zurück in die Schule, um mein Fachabitur zu absolvieren.  Ich dachte, ich hätte noch etwas Zeit, bevor ich mich an der Universität einschreiben muss.  Ich wollte Grafikdesign in Hamburg an der Hochschule für Grafik und Design studieren. Ich bewarb mich also und man sagte mir, ich solle bis zum nächsten Jahr warten, da ich keine Erfahrungen in diesem Bereich hätte.  Also habe ich mich an einer anderen Hochschule für Wirtschaft und Politik beworben.   In der Zwischenzeit dachte ich mir, na gut, ich habe ja noch etwas Zeit und beschloss, nach London zu gehen.  

 

Dort habe ich u.a. als Zimmermädchen in einem Hotel gearbeitet. Drei wunderbare Jahre verbrachte ich in London, bis ich mich beim Auswärtigen Amt als Fremdsprachen-Assistentin beworben habe und angenommen wurde.
So zog es mich von London nach Albanien, Usbekistan, Sudan, in die USA… Während dieser Zeit habe ich unvergessliche Erfahrungen sammeln können, welche mich bis heute auf meinem Weg begleiten.
Doch die Sehnsucht nach der Nordsee brachte mich dazu, zurück nach Bremerhaven zu kommen. Hier habe ich auch das Hobby der Malerei für mich entdeckt und bin immer wieder begeistert davon, wie vielfältig unsere schöne Stadt Bremerhaven doch ist. 

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Ich bin Charity Young aus Nigeria, Westafrika.  Ich komme aus der Region Delta. In Delta haben wir verschiedene Sprachen.  Es sind keine Dialekte, sondern Sprachen.  Es gibt etwa 160 Sprachen in Nigeria.  Wir sprechen Pidgin-Englisch und unsere anderen drei Hauptsprachen Hausa, Igbo und Yoruba. Englisch ist die offizielle Sprache in Nigeria. Wenn wir alle zusammenkommen, sprechen wir Pidgin-Englisch, damit wir uns gegenseitig verstehen können.  

1982 kam ich nach Deutschland. Ich war verheiratet und kam mit meinem Mann hierher.  Er war Seemann und ging in Nigeria an Bord eines Schiffes. Unsere Ehe ging leider in die Brüche und ich musste mich als alleinerziehende Mutter durchschlagen und habe angefangen Deutschkurse zu besuchen. Während meine Kinder nachmittags Hausaufgaben machten, habe ich gelernt. 

1990 bekam ich eine Arbeitserlaubnis und fing meinen ersten Job im Fischereihafen an. Aber ich wollte mehr machen und mehr erreichen. So habe ich eine Weiterbildung gemacht und später in einem Projekt gearbeitet, in dem ich Migrant*innen helfen und sie beraten konnte.

Nachdem das Projekt auslief habe ich einen neuen Job im Hafen angenommen und fuhr bis 2005 Autos auf und von Schiffen.  

Im Jahr 2009 bekam ich über das AFZ wieder einen Job im Colombus Center im Tourismuszentrum.  Ich habe mich um den Ticketverkauf und viele andere Dinge gekümmert.
Im AFZ Bremerhaven habe ich einen Existensgründungskurs besucht. Dieser Workshop hat mich so inspiriert, sodass ich danach zu Hause direkt meine Idee aufgeschrieben habe. Ich wusste wie man Lebensmittel konserviert, da ich jahrelang im Fischereihafen gearbeitet hatte – so kam ich auf die Idee mein eigenes Essen in Gläser einzulegen und zu verkaufen. Ich bekam viel Unterstützung und so hatte ich sechs Monate Zeit es zu versuchen. Mein Unternehmen war nun registriert, ich hatte mein Logo und alles war in Ordnung. Meine Produkte wurden in Asien, Afro/Afrika in Bremerhaven bis Bremen verkauft.  Ich habe sie überall platziert. Doch im Laufe der Zeit kamen Angestellte des Gesundheitsamtes auf mich zu und wiesen mich darauf hin, dass es verboten wäre meine private Küche zu nutzen, um Lebensmittel zu verkaufen. So musste ich meine Tätigkeit beenden und stelle mir nun die Frage: was soll ich jetzt tun.  Ich ging weinend zum AFZ zurück, da ich nicht wusste, was ich tun sollte.  Ich fühlte mich, als wäre ich in ein großes Loch gefallen und war deprimiert. 

Ich suchte überall nach einer Großküche und fand nichts, was ich hätte mieten können. Frau Monica Kotte vom AFZ war ein Engel.  Sie war fest entschlossen, mir zu helfen.  Sie war gut vernetzt und kannte viele Leute. Daraufhin kam sie auf die Idee, eine Küche des AFZs in Wulsdorf zu nutzen. Es war wie eine Haushaltsküche, aber da es sich um einen öffentlichen Raum handelte, war es für die Gesundheitsbehörden akzeptabel. 

Die kleinen Läden, die bisher mein Sortiment führten, waren nicht mehr interessiert und ich musste meine Pläne überdenken. So organisierte ich mir einen kleinen Stand auf dem Geestemünder Wochenmarkt. An meinem ersten Tag waren um 11.00 Uhr schon all meine Produkte verkauft. In der nächsten Woche wurde ich eingeladen, an einem Samstag wiederzukommen. Jetzt verkaufe ich zweimal pro Woche in Bremerhaven.

Ich schätze meine Kunden sehr. Sie halten mich stark.  Wenn ich nicht auf dem Markt bin, rufen sie mich an und fragen, wo ich bin.  

Meine Beweggründe, Nigeria zu verlassen, waren, dass ich nach fünf Jahren hier dachte, ich hätte Geld verdient und könnte zurück nach Nigeria gehen und mein eigenes Geschäft aufbauen.  Fünf Jahre nachdem ich hier war, war ich nicht einmal in der Lage grammatikalisch korrekt Deutsch zu sprechen. Ich war auf meinen Mann angewiesen, weil sie sagten, dass ausländische Frauen keine Arbeit bekommen können. Doch ich habe es geschafft und bin sehr glücklich damit.
In meinem Leben gibt es kein besonderes Motto, aber ich glaube, dass wir weitermachen müssen. Wenn du stolperst und fällst, wartet eine andere Gelegenheit auf dich.  Die nächste Tür wird sich für dich öffnen. So war es für mich in all den Jahren, in denen ich in Deutschland war.  

 

 

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Ich heiße Anja Konitzer, bin 51 Jahre alt und in Bremerhaven Lehe geboren.

Ich habe einen Realschulabschluss und danach eine Ausbildung als Frisörin absolviert, habe aber nicht lang in diesem Beruf gearbeitet und in Bremerhaven war die Arbeitslosenquote sehr hoch. 

Dann habe ich mich mit 20 dazu entschieden eine zweite Lehre als Bürokauffrau zu machen. Ich habe in einem kleinen Betrieb angefangen, dort leider nicht viel gelernt und war dann sehr mutig und habe während meiner Ausbildung den Betrieb gewechselt – bei einer Spedition in der Buchhaltung. Dort habe ich auch zu Ende gelernt und habe meinen Abschluss mit der Note 1 bestanden. 

Bei der Kreissparkasse saß ich dann im Textverarbeitungssekretariat. Dort habe ich sehr gern gearbeitet. Ich habe viel gelernt – nicht nur beruflich, sondern auch menschlich.

Dann habe ich geheiratet und zwei wundervolle Kinder bekommen. Mein damaliger Mann war durch die Bundeswehr viel im Ausland, weswegen ich meine Zeit meinen Kindern gewidmet habe. 

Irgendwann habe ich wieder mit kleinen Jobs angefangen – Medikamente ausfahren für Apotheken, Verkauf in einem Kaffee-Tee Geschäft oder Tourplanung für Milchlieferungen an Schulen. 

Seit 2015 arbeite ich beim Arbeitsförderungszentrum Bremerhaven in der Quartiersmeisterei Lehe. 

In meiner Freizeit singe ich in einem Gospelchor und habe eine Leidenschaft fürs Campen entwickelt. 

Brigitte Hawelka war meine damalige Chefin und hat die Quartiersmeisterei Lehe quasi aufgebaut – sie hat mich in vielen Bereichen sehr positiv beeinflusst. Ich habe wahnsinnig viel von ihr gelernt.

Mein Lebensmotto lautet: „Manchmal muss man nur 20 Sekunden mutig sein“. Tief durchatmen und raus damit.

 

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Ich heiße Khansa Khalaf und bin am 20.04.1973 in Syrien geboren. Ich bin verheiratet und habe 5 Kinder. In Syrien ging ich zur Schule und habe dort auch meinen Abschluss gemacht. Danach habe ich an einer Realschule unterrichtet.

Vor 7 Jahren bin ich nach Deutschland gekommen. Hier habe ich zuerst in einem Kindergarten gearbeitet, dann in einer Grundschule. Mittlerweile arbeite ich bei den Weser EMS Perspektiven als Integrationshelferin.

Die Schwierigkeiten und Erfahrungen des Lebens haben mich inspiriert an mich zu glauben. Für mich ist es ganz wichtig, dass ich jeder Frau helfe, die sich an mich wendet und wenn ich es auch nicht kann, versuche ich immer eine alternative Lösung zu finden. Mein Motto lautet: "Wenn ich es mir vorstellen kann, kann ich es auch tun.“

 

Ich möchte allen Frauen sagen und mit auf den Weg geben, die immer noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben: seht es nicht als Hindernis, sonders als etwas, was euch und eure Fähigkeiten stärkt. 

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Mein Name ist Asya Bal und ich bin 26 Jahre alt. Ich bin hier in Bremerhaven geboren – meine Eltern kommen gebürtig aus der Türkei und sind quasi die zweite Generation. Meine Großeltern kamen damals als Gastarbeiter nach Deutschland. Ich habe eine große Schwester, sie arbeitet als Managerin bei MCDonalds.
Ich habe an der Hochschule in Bremen studiert und bin derzeit im Anerkennungsjahr. Ich habe viel im pädagogischen Bereich gearbeitet, vor allem mit Kindern.
Mein Weg wird sich im Schulsozial Bereich manifestieren. Ich komme aus einer „pädagogischen Familie“. Meine Mama ist Erzieherin, mein Opa war Lehrer.
Mein Papa arbeitet seit 42 Jahren bei den Stahlwerken in Bremen. Er hat dort damals mit 16 Jahren angefangen zu arbeiten.

Meine Eltern haben mir alles ermöglicht und sie haben mich auf jedem meiner Wege unterstützt.

Mein Vorbild ist mein Opa: Ihm war es immer wichtig, dass die Frauen aus der Familie einen guten Beruf erlernen. In der Türkei ist er oft Zeuge von der Unterdrückung der Frau geworden. Er war die Motivation mein Abitur und mein Studium zu absolvieren.
Mir wurden sehr viele Steine in den Weg gelegt, gerade in der Schulzeit. Ich musste viel mit Rassismus und Ausgrenzung kämpfen. Man sagte mir, ich solle das Kopftuch tragen und putzen gehen und, dass ich mein Abitur niemals schaffen würde. Ich hatte immer das Gefühl, ich muss extra und mehr kämpfen als andere, um an meine Ziele zu kommen.
Im Studium habe ich gelernt, dass wenn man fällt: direkt wieder aufsteht und weiter macht - dann schafft man es auch!

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Mein Name ist Suad Omar und ich komme gebürtig aus Syrien. Ich bin verheiratet und habe vier wundervolle Kinder. Ich lebe in Bremerhaven und bin hier sehr glücklich. Meine Familie ist sehr groß, wir sind 10 Geschwister. In Syrien habe ich mein Abitur abgeschlossen und habe 15 Jahre als Schneiderin gearbeitet. Seit März 2000 bin ich in Deutschland.  
Mein Vater war in Syrien Chef einer kurdischen Partei. Auch ich war aktiv für Frauen-und Kinderrechte und habe mich sehr für Politik interessiert. Ich wollte immer wie mein Vater sein, er hat mich sehr inspiriert.

In Deutschland habe ich auch wieder einige Jahre als Schneiderin gearbeitet. Seit vielen Jahren arbeite ich im Pädagogischen Zentrum in Bremerhaven und berate dort Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. 
Mir war es immer wichtig Frauen zu helfen, sowohl in Syrien als auch hier in Deutschland. Frauen zu unterstützen und sie zu stärken liegt mir sehr am Herzen. 

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Mein Name ist Irina und ich bin im August 1985 in Nordkasachstan geboren, bin mit 14 Jahren mit meinem Bruder, mittlerweile habe ich zwei und meinen Eltern nach Deutschland ausgewandert. Ich bin mit zwei Traditionen aufgewachsen, wir haben schon in der Heimat das „traditionelle deutsche Weihnachtsfest“ gefeiert. Bevor wir nach Bremerhaven gezogen sind, habe wir ca. 2 Jahre lang in der Nähe von Leipzig gewohnt.
In Bremerhaven haben wir Wurzeln geschlagen und sind Ende diesen Jahres ca. 21 Jahre hier. Ich habe mein Abitur und eine Ausbildung als Bürokauffrau absolviert. Aufgrund des Wunsches einer beruflichen Veränderung habe ein Studium (Lebensmitteltechnologie) an der Hochschule Bremerhaven begonnen. Kurz danach habe ich geheiratet und zwei Kinder bekommen. Seit fast 4 Jahren arbeite ich als Leitung QM. Seit August 2017 betreibe ich (mit einigen Unterbrechungen) die Sportart Poledance – durch diese Leidenschaft konnte ich mich mit meinem eigenen Tanzstudio „Pole Emotion“, in der Bürger Bremerhaven, selbstständig machen.  

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Ich bin Ebru Aydin und bin am 16.09.1981 in Köln geboren.
Meine Eltern kommen gebürtig aus der Türkei und sind Ende der 70er Jahre als sogenannte Arbeitermigrant*innen nach Deutschland gekommen. Meine Großeltern, mütterlicherseits, waren bereits Mitte der 70er Jahre in Bremerhaven wohnhaft. 

Aufgrund der Berufstätigkeit meiner Eltern und einer erneuten Schwangerschaft meiner Mutter bin ich mit ca. einem Jahr, im Jahre 1982, in die Türkei, in Obhut meiner Großeltern aufgewachsen. Mit 8 Jahren, im Jahre 1989 bin ich wieder zurück zu meiner Familie, die inzwischen aus Köln nach Bremerhaven verzogen waren, zurückgekehrt. Ich wurde in der Türkei eingeschult und habe erst mit Beginn des Schuleintrittes in Bremerhaven die Deutsche Sprache gelernt. Nach dem Abitur bin ich 2001 zum Studieren nach Emden gezogen. Nach Abschluss des Studiums der Sozialen Arbeit habe ich viele Monate ehrenamtlich für eine Nonprofit Organisation in Indien gearbeitet und auch dort gelebt. Aufgrund meiner türkischen Wurzeln zog es mich anschließend nach Istanbul. Dort lebte und arbeitete ich für einige Monate, bevor ich mich entschied zurück nach Deutschland, Bremerhaven zurück zu kehren. Beruflich startete ich im Jahre 2006 in Bremen, dort lernte ich in 2009 meinen Mann Özgür kennen. Inzwischen sind wir verheiratet, haben drei gemeinsame Kinder und leben in der schönen Seestadt, Bremerhaven.

Mein Ziel war es immer Neues kennen zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und mich persönlich, wie beruflich weiter zu entwickeln.

In der Zeit ab der 5. Klasse lernte ich eine Schulsozialarbeiterin kennen. Diese hat mich besonders geprägt und tatsächlich war sie – neben vielen anderen Aspekten, der tatsächliche Grund für meine Berufswahl. Inzwischen ist sie eine sehr gute Freundin und stets meine Begleiterin in wichtigen Entscheidungen. Ohne ihr Vertrauen in mich und ohne ihre geduldige und unermüdliche Unterstützung wäre ich heute beruflich, sowie privat sicher nicht ganz da, wo ich bin. Sie ist ein Stück meine innere Resilienz und die Motivation des Glaubens an mich selbst.

 

Wenn ich mir selbst mit 20 nochmal begegnen würde, würde ich mir sagen: Schmeiß die Bedenken und Zweifel von anderen und Dir selbst von Bord, traue Dir mehr zu! Nehme Dir etwas vor, überlege Dir eine Strategie, hole die notwendige Unterstützung ein -  dann schaffst du das!

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Mein Name ist Marion Melzer und ich bin im September 1972 in Bremerhaven geboren. Meine Kindheit habe ich in Drangstedt mit meinen Brüdern verbracht, welche es mir nicht immer leicht gemacht haben JMein Papa kam aus Worms am Rhein – 50km von Frankfurt entfernt. Ich bin froh, dass meine Eltern sich dazu entschieden haben nach Bremerhaven zu gehen.
Ich bin in Bederkesa zur Schule gegangen und habe einen Hauptschulabschluss absolviert. Mit 15 bin ich zur Post gegangen und habe dort meine Ausbildung gemacht. 

Mit 18 Jahren bin ich bei meinen Eltern ausgezogen und habe schnell gelernt eigenständig zu leben.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich der Job bei der Post nicht mehr glücklich macht und habe mich dazu entschieden eine Umschulung zur Physiotherapeutin zu machen. Diesen Beruf übe ich bis heute sehr gern aus. 

 

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Mein Name ist Nina Morgenroth und ich bin 1977 in Bremerhaven geboren. Ich bin in Bremerhaven zur Schule gegangen und habe meine Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation beim Deutschen Roten Kreuz absolviert. Danach habe ich für ein paar Jahre in Bremen in der Privatwirtschaft gearbeitet. Irgendwann zog es mich beruflich für drei Jahre nach Portugal. Dort habe ich auch meinen Mann kennengelernt. Ich konnte weiterhin als Ausbilderin/Trainerin arbeiten und den deutschsprachigen Raum bedienen. Mit meinem Mann bin ich dann 2016/2017 zurück nach Deutschland gekommen und wir haben hier geheiratet. In meiner Freizeit liebe ich es zu musizieren und zu singen. 
Seit August 2021 gibt es in Bremerhaven die "Moppelmöwen". Dort bin ich Mitbegründerin und Leiterin mit zwei weiteren tollen, starken Frauen. Dies ist eine Selbsthilfegruppe für Adipositas Betroffene und deren Angehörige. Gemeinsam möchten wir, ab dem ersten Schritt, aktiv werden wo es allein langweilig ist, uns gemeinsam zurück ins Leben kämpfen und ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen - für mehr Akzeptanz. 

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Mein Name ist Giulia Castellani, ich bin 37 Jahre alt und komme gebürtig aus dem wunderschönen Italien. Für meine Doktorarbeit bin ich nach Deutschland gezogen und habe hier promoviert. Mittlerweile arbeite ich am Alfred-Wegener-Institut als Wissenschaftlerin in einem Team, welches sich mit dem Ökosystem und Meereis beschäftigt. 
Eine meiner letzten Expeditionen war die Mosaic-Expedition. Dort habe ich Wale, Robben, Polarfüchse, Eisbären... und meine Lieblingstiere, die Pinguine, gesehen. 
Ich bin nach Deutschland gekommen, um meine Träume zu verwirklichen. Natürlich vermisse ich aber auch den schönen Sommer in Italien. Ich bin sehr froh, dass ich die Möglichkeit hatte die deutsche Sprache zu lernen - es hat mir geholfen mich noch besser integrieren zu können.